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PARABOL: "Sorry Satellite"
"Sammeln, Fokussieren, Ausstrahlen!" (Christian Staudacher
über die Bedeutung von parabol) von
Albert Farkas / FM4
Ein Gerücht macht sich breit, dass Musik tatsächlich
mehr sein kann, als bloß in Klingeltonkompositionen hineingespeistes
Aas. Dass Musik ihre wahre Bedeutung für uns erst dann entfalten
kann, wenn sie sich von der Zwangsassoziierung mit trendigen Versicherungsschemata,
Jugendkonten und Internetanschlusspaketen losgerissen hat. Dass
Musik, wenn man sie "sie selbst" sein lässt, sogar
wieder zu so etwas wie einem Spiegel unserer Seele heranwachsen
könnte. Und diese Gerüchte wollen nicht verstummen.
Zum Glück lässt sich tatsächlich
Trost aus dem Spirit des Rock'n'Roll schöpfen, der jede neu
heranwachsende Generation an Bands mit den nötigen Mitteln
ausstattet, um sich immer und immer wieder gegen die Widrigkeiten
ihrer Zeit durchzusetzen. Und die Generation von heute hat soeben
gehörige Verstärkung erhalten – wenn auch von
unerwarteter Stelle. Die vier schrittsicheren Stimmen von parabol
befördern uns auf ihrem Debütalbum "sorry satellite"
ansatzlos in die Tiefen des Schlundes unserer modernen kollektiven
Befindlichkeit. Hier, im Auge des Sturms, ist der Ausgangspunkt
ihrer Expedition auf der Suche nach etwas Ursprünglichem,
etwas Intensivem, etwas Purem, das man sich aufbewahrt hat –
und das einen aus dem Unterbewusstsein heraus immer noch antreibt.
Wie der erste Liebesbrief, den man erhalten hat, bevor man ins
Zeitalter des Klammeraffen übergetreten ist. Es ist eine
Reise ohne Landkarte, aber der Instinkt verheißt einem ein
Stück verlorene Unschuld am Ziel des Weges.
Es ist zugegebenermaßen kein Unterfangen ohne
die leuchtende Vorgabe einiger Pioniere. Vor 15 Jahren schonte
ein ausgewählter Kreis britischer Bands um My Bloody Valentine,
Ride und Slowdive auf ihrer kompromisslosen Erforschung ihres
Inneren weder sein mentales Wohlbefinden noch die Saiten seiner
Gitarren. Mit tosend-heraufragenden Geräuschwänden gingen
sie mit sich selbst und den Ohren der Hörerschaft ins Gericht,
bis der musikalisch interessierten Öffentlichkeit dieser
Exorzismus zu extrem wurde, und sie in Richtung Britpop umschwenkte.
2005 muss man in Richtung Kärnten blicken,
genauer gesagt nach der verschlafenen Ortschaft Sekirn, wo ein
Album von vier Musikern aufgenommen wurde, für die sämtliche
Mätzchen des Rock'n'Roll unterhalb der ultimativen Selbsterkenntnis
nur noch Kinkerlitzchen darstellen. "Unsere Fähigkeiten
hätten ja auch allemal zur Aufnahme einer Garage-Platte gereicht,
aber wir haben schon früh die Entscheidung getroffen, dass
es das einfach nicht sein kann." Stattdessen haben Christian
Staudacher, Andreas Gstettner, Max Kircher und Max Schachner mit
"sorry satellite" ein Manifest der inneren Verbundenheit
zur Rock-Musik erschaffen. Denn um diese Intimität auf ihren
filigranen Songs erstehen lassen zu können, mussten die Mitglieder,
die aus der Asche zwei völlig verschiedener Band-Projekte
hervorgegangen waren, erst auf einer persönlichen Ebene zu
einander finden. Klang gewordener Beweis dafür, dass es sich
beim Zusammenwachsen dieser Band um nichts weniger als eine wundersame
Fügung handeln kann, sind die perfekten, Wahrnehmungsgrenzen
überschreitenden Harmonien zwischen den Gesängen aller
vier Musiker. Sie saugen die nackten Beichten in den Songs aus
der Ohrmuschel und pumpen sie direkt in die Venen. Die verständigen
und bewährten Hände von Sound-Mischer Mario Thaler (U-Phon
Studio/Weilheim) und Mastering-Pate Kai Blankenberg (Skyline Tonfabrik/Düsseldorf)
geben in dieser Ordnung des (ganz) Großen und (großen)
Ganzen den Tracks ihre Kompaktheit und ihren frequenz-spektralen
Feinschliff.
Wenn sich der Staub solcher gehypten Phänomene
wie des Guerilla-Giggings und anderer lifestyle-betonten Rock-Accessoires
gelegt hat, wird parabols "sorry satellite" unleugbarer
Bestandteil eines neuen Stamms an Alben sein, die gültig
und bestehen bleiben. "Diese Platte funktioniert sowohl leise
als auch laut. Ein ausdrucksstärkeres Qualitätssiegel
kann es ja eigentlich gar nicht geben.", konstatiert Christian,
einer von drei Vokalisten in der Band. Der ewige Klassenkampf
zwischen "quiet" und "loud" ist soeben abgesagt
worden. Ab hier wird nur noch das vernommen, was Deine Seele von
sich gibt.
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