parabol : sorry satellite
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PARABOL
* Parabol


Christian Staudacher (git/voc)


Andreas Gstettner (git/voc)


Max Kircher (b/voc)

Max Schachner (dr/voc)

*


** Michael Staudacher (key)

All fotos © Arnold Morascher
except * fotos © Ingo Pertramer
and ** foto © Kristof Singer

PARABOL: "Sorry Satellite"

"Sammeln, Fokussieren, Ausstrahlen!" (Christian Staudacher über die Bedeutung von parabol)

von Albert Farkas / FM4

Ein Gerücht macht sich breit, dass Musik tatsächlich mehr sein kann, als bloß in Klingeltonkompositionen hineingespeistes Aas. Dass Musik ihre wahre Bedeutung für uns erst dann entfalten kann, wenn sie sich von der Zwangsassoziierung mit trendigen Versicherungsschemata, Jugendkonten und Internetanschlusspaketen losgerissen hat. Dass Musik, wenn man sie "sie selbst" sein lässt, sogar wieder zu so etwas wie einem Spiegel unserer Seele heranwachsen könnte. Und diese Gerüchte wollen nicht verstummen.

Zum Glück lässt sich tatsächlich Trost aus dem Spirit des Rock'n'Roll schöpfen, der jede neu heranwachsende Generation an Bands mit den nötigen Mitteln ausstattet, um sich immer und immer wieder gegen die Widrigkeiten ihrer Zeit durchzusetzen. Und die Generation von heute hat soeben gehörige Verstärkung erhalten – wenn auch von unerwarteter Stelle. Die vier schrittsicheren Stimmen von parabol befördern uns auf ihrem Debütalbum "sorry satellite" ansatzlos in die Tiefen des Schlundes unserer modernen kollektiven Befindlichkeit. Hier, im Auge des Sturms, ist der Ausgangspunkt ihrer Expedition auf der Suche nach etwas Ursprünglichem, etwas Intensivem, etwas Purem, das man sich aufbewahrt hat – und das einen aus dem Unterbewusstsein heraus immer noch antreibt. Wie der erste Liebesbrief, den man erhalten hat, bevor man ins Zeitalter des Klammeraffen übergetreten ist. Es ist eine Reise ohne Landkarte, aber der Instinkt verheißt einem ein Stück verlorene Unschuld am Ziel des Weges.

Es ist zugegebenermaßen kein Unterfangen ohne die leuchtende Vorgabe einiger Pioniere. Vor 15 Jahren schonte ein ausgewählter Kreis britischer Bands um My Bloody Valentine, Ride und Slowdive auf ihrer kompromisslosen Erforschung ihres Inneren weder sein mentales Wohlbefinden noch die Saiten seiner Gitarren. Mit tosend-heraufragenden Geräuschwänden gingen sie mit sich selbst und den Ohren der Hörerschaft ins Gericht, bis der musikalisch interessierten Öffentlichkeit dieser Exorzismus zu extrem wurde, und sie in Richtung Britpop umschwenkte.

2005 muss man in Richtung Kärnten blicken, genauer gesagt nach der verschlafenen Ortschaft Sekirn, wo ein Album von vier Musikern aufgenommen wurde, für die sämtliche Mätzchen des Rock'n'Roll unterhalb der ultimativen Selbsterkenntnis nur noch Kinkerlitzchen darstellen. "Unsere Fähigkeiten hätten ja auch allemal zur Aufnahme einer Garage-Platte gereicht, aber wir haben schon früh die Entscheidung getroffen, dass es das einfach nicht sein kann." Stattdessen haben Christian Staudacher, Andreas Gstettner, Max Kircher und Max Schachner mit "sorry satellite" ein Manifest der inneren Verbundenheit zur Rock-Musik erschaffen. Denn um diese Intimität auf ihren filigranen Songs erstehen lassen zu können, mussten die Mitglieder, die aus der Asche zwei völlig verschiedener Band-Projekte hervorgegangen waren, erst auf einer persönlichen Ebene zu einander finden. Klang gewordener Beweis dafür, dass es sich beim Zusammenwachsen dieser Band um nichts weniger als eine wundersame Fügung handeln kann, sind die perfekten, Wahrnehmungsgrenzen überschreitenden Harmonien zwischen den Gesängen aller vier Musiker. Sie saugen die nackten Beichten in den Songs aus der Ohrmuschel und pumpen sie direkt in die Venen. Die verständigen und bewährten Hände von Sound-Mischer Mario Thaler (U-Phon Studio/Weilheim) und Mastering-Pate Kai Blankenberg (Skyline Tonfabrik/Düsseldorf) geben in dieser Ordnung des (ganz) Großen und (großen) Ganzen den Tracks ihre Kompaktheit und ihren frequenz-spektralen Feinschliff.

Wenn sich der Staub solcher gehypten Phänomene wie des Guerilla-Giggings und anderer lifestyle-betonten Rock-Accessoires gelegt hat, wird parabols "sorry satellite" unleugbarer Bestandteil eines neuen Stamms an Alben sein, die gültig und bestehen bleiben. "Diese Platte funktioniert sowohl leise als auch laut. Ein ausdrucksstärkeres Qualitätssiegel kann es ja eigentlich gar nicht geben.", konstatiert Christian, einer von drei Vokalisten in der Band. Der ewige Klassenkampf zwischen "quiet" und "loud" ist soeben abgesagt worden. Ab hier wird nur noch das vernommen, was Deine Seele von sich gibt.